Die Grönland-Kartensammlung

Grönland wird nach wie vor zu vier Fünfteln von einer dicken Eisschicht bedeckt. Klimawandel und die Suche nach Bodenschätzen lenken dennoch in zunehmendem Maße den Blick auf die größte Insel der Erde.

Schon vor mehr als einem Jahrtausend wurde Grönland im Zuge der „Landnahme“ von Skandinavien aus besiedelt. In den 980er Jahren gelangte der altnordischen Überlieferung nach mit Erik dem Roten erstmals ein Nordeuropäer an die grönländische Westküste. Davon berichten die „Saga von Eirík dem Roten“ und die „Erzählung von den Grönländern“. Aber auch zahlreiche archäologische Quellen dokumentieren diesen Prozess der Besiedlung.

Zur Zeit der Landnahme war Grönland nicht menschenleer, denn in tausenden von Jahren waren über den Nordwesten Kanadas ebenfalls verschiedene Gruppen der Inuit eingewandert. Es kam nicht nur zu Konflikten, sondern auch zu einem jahrhundertelangen kulturellen Austausch. Bis heute ist das Verschwinden der Skandinavier von der Insel im Laufe des 15. Jahrhunderts nicht geklärt; mit großer Wahrscheinlichkeit trug ein Rückgang der Durchschnittstemperaturen auf der nördlichen Erdhalbkugel wesentlich dazu bei.

In der Frühen Neuzeit gelangte die eisige Insel in der Arktis erneut in das Blickfeld der Europäer. Die reichen Gewinne aus Walfang und Robbenschlag führten im 18. Jahrhundert zu einer zweiten Phase europäischer Kolonisation. Mehr als zwei Jahrhunderte lang wehte über Grönland der Danebrog. Erst 1979 wurde der Insel ein Autonomiestatus zugestanden, der bis heute stetig erweitert wird. Schon längst stellt Grönland keine dänische Kolonie mehr dar, sondern wird von der kulturellen und zunehmend auch wirtschaftlichen und politischen Selbstbestimmung der Grönländer geprägt.

Schleswig-Holstein und Grönland verbindet eine lange, gemeinsame Geschichte. Nicht nur der gemeinsame Landesherr einte die beiden weit voneinander entfernt liegenden Territorien. Ebenso zogen starke Wirtschaftsinteressen viele Schleswig-Holsteiner in der Vergangenheit in die Arktis. Davon zeugen bis heute die kunstvollen Grabsteine der nordfriesischen Grönlandfahrer.

Diese lange Zeit der Interaktion bildet sich auch in den Beständen der Universitätsbibliothek Kiel ab. Selbst wenn die Kieler Grönlandsammlung vom Umfang her klein ist, weist sie doch einige Kostbarkeiten auf. Dazu zählen Reisebeschreibungen aus der Frühen Neuzeit, ebenso aber historische Grönland-Karten. Ein bislang unbekannter Teilbestand an Grönland-Karten tauchte erst kürzlich in den Magazinen der Universitätsbibliothek auf. Im Rahmen eines Verzeichnungsprojektes werden diese gegenwärtig identifiziert, aufgenommen und digitalisiert. Schon jetzt ist erkennbar, dass es sich bei einigen Stücken um echte Unikate handelt. Ein neuer Schatz ist gehoben.

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