Vom Sondersammelgebiet zum Fachinformationsdienst

Mit dem rasanten Fortschritt in der Informations- und Kommunikationstechnologie der letzten Jahrzehnte haben sich für die Bibliothekswelt völlig neue Herausforderungen ergeben. Suchmaschinen und Online-Informationsdienstleister haben die Informationsversorgung revolutioniert. Publiziert wird zunehmend elektronisch und im Netz, alternative Publikationsplattformen wie Blogs oder soziale Netzwerke spielen eine wichtige Rolle. Den Bibliotheken erwächst aus der für den Einzelnen nur schwer zu durchdringenden Informationsflut eine neue spannende Aufgabe als „Lotse“ durch den Informationsdschungel.

Dieser Umbruch zur digitalen Welt wurde auch für die Sondersammelgebiete zu einem entscheidenden Einschnitt. Seit den 1990er Jahren förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft daher zunächst die Idee, mit virtuellen Fachbibliotheken Online-Portale für den Zugriff auf analoge und digitale Informationsressourcen einer Fachdisziplin unabhängig von ihrem Herkunftsort zu schaffen. Der Onlinegang der Virtuellen Fachbibliothek Nordeuropa und Ostseeraum („vifanord“) im Jahr 2008 markierte für das SSG Skandinavien einen Wendepunkt. Mit der Integration zahlreicher Onlineangebote in die Metasuche der vifanord, die in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Universitätsbibliothek Greifswald (SSG Baltische Länder) und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SSGs Finnland und Estnisch) aufgebaut wurde, konnte der hohen Affinität der skandinavischen Länder zu Onlinemedien erstmals intensiv Rechnung getragen werden.

Gleichzeitig bot der Aufbau des Portals die Möglichkeit, die Kontakte sowohl zu den Nordeuropaforschenden in Deutschland als auch zu den skandinavischen Informationsanbietern wie den Nationalbibliotheken gezielt zu intensivieren. Das in dieser Zeit entstandene Kontaktnetz wurde seither kontinuierlich ausgebaut und liefert wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung der im Rahmen der vifanord entwickelten Dienstleistungen. Ein Beispiel für solche Dienstleistungen ist die Rubrik „Fundstücke aus dem SSG Skandinavien“ im „Nordic History Blog“, anhand derer das SSG interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kontinuierlich über Neuigkeiten aus der skandinavischen Informationslandschaft informiert.

Vor dem Hintergrund des digitalen Wandels hat sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft nach einer Evaluierung des Systems der Sondersammelgebiete 2011 entschlossen, diese abzulösen und in einer Übergangsphase in das Förderprogramm der „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FIDs)" zu überführen. Wie der Name impliziert, liegt das Kerngeschäft eines FIDs nicht länger in der möglichst umfassenden Sammlung gedruckter Literatur, sondern im Aufbau eines Dienstleistungsangebotes für die Wissenschaft, das eng angelehnt an den Bedarf der „Zielgruppe“ eines FIDs entwickelt wird.

Der Universitätsbibliothek Kiel wurde der Antrag zur Förderung des Aufbaus eines FID Nordeuropa zu Beginn des Jahres 2016 bewilligt. Im Zentrum der Arbeit des neuen FIDs stehen neben der gezielten Fortführung des Sammelauftrages im Print- und Onlinebereich mehrere Pilotprojekte, beispielsweise im Bereich der Digitalisierung und des Forschungsdatenmanagements. Die Universitätsbibliothek Kiel möchte die Chance nutzen, neue Dienstleistungen zu entwickeln, die aber allesamt auf der Jahrhunderte alten Sammeltradition aufbauen, welche zu allen Zeiten von den engen Kontakten der Bibliothek in die skandinavischen Länder beflügelt wurde.