Neuanfang als Sondersammelgebiet Skandinavien

Die Universitätsbibliothek Kiel hatte im Krieg stark gelitten. Nach Kriegsende wurden die ausgelagerten Bücher schrittweise in das notdürftig ausgebesserte Bibliotheksgebäude in der Brunswiker Straße zurückgebracht. Bereits im Sommersemester 1946 konnte der Lesesaal wieder eröffnet werden. Es sollte jedoch noch weitere Jahre dauern, bis schließlich das Gebäude 1951 wieder in vollem Maße als Bibliothek genutzt werden konnte. In die Skandinavien-Sammlung hatten die Bomben große Lücken gerissen. Trotz aller Nöte der unmittelbaren Nachkriegszeit unternahm die Bibliothek so bald als möglich Anstrengungen, verlorene Bestände wiederzubeschaffen und die Sammlung mit aktuellen Neuerscheinungen auszubauen.  
 
Olaf Klose machte 1948 eine Erwerbungsreise nach Dänemark, wo er sich mit hochrangigen Vertretern des dänischen Bibliothekswesens traf, unter anderem dem Reichsbibliothekar Sven Dahl. Auf diese Weise erlangte er großzügige Büchergeschenke für die Universitätsbibliothek und bereitete die Wiederaufnahme der alten Tauschbeziehungen vor. Zusätzlich kontaktierte Klose dänische Buchhändler und Antiquariate, um Geschäftsbeziehungen aufzubauen. 
 
Auch aus den anderen nordischen Ländern gab es zahlreiche Bücherspenden. Ein besonderes Beispiel ist der isländische Buchhändler Birgir Kjaran, der in Kiel studiert hatte und nun half, die Verbindung nach Island wiederherzustellen. Nach und nach konnte die Universitätsbibliothek Kiel somit an ihre traditionell intensiven Beziehungen nach Nordeuropa wieder anknüpfen. 
 
Das Jahr 1949 war für den Skandinavienschwerpunkt an der Universitätsbibliothek Kiel in zweierlei Hinsicht bedeutend: Zum einen beendete Olaf Klose, der die Sammlung lange Jahre geprägt hatte, seine Tätigkeit und wechselte als Direktor an die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek. Zum anderen gründete sich die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft (ab 1953 Deutsche Forschungsgemeinschaft) neu und nahm die Förderung von Sammelschwerpunkten an einzelnen Bibliotheken wieder auf. Im Rahmen des Sondersammelgebietsplans beantragte die Universitätsbibliothek Kiel gemäß ihrer Tradition, die Betreuung des „Nordischen Kulturkreises“ mit den Ländern Dänemark, Schweden, Norwegen und Island übernehmen zu dürfen. Anders als früher wurden jedoch die Teilbereiche Schweden und Island aus dem Plan herausgenommen. Island, das an die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln gegangen war, holte der Direktor der Universitätsbibliothek Heinrich Grothues noch im selben Jahr nach Kiel zurück.   
 
Die Wiedereingliederung Schwedens in das Sondersammelgebiet Skandinavien zog sich dagegen bis 1963 hin. Der Direktor der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg hatte gute Kontakte nach Schweden, außerdem koordinierte die SUB Hamburg in den Nachkriegsjahren skandinavische Bücherspenden an die deutschen Bibliotheken. Erst als diese Tätigkeiten mit den Jahren an Bedeutung verloren, gelang es nach langen Verhandlungen zwischen Kiel, Hamburg und der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den  Sammelauftrag für schwedische Literatur zurückzuholen.