Die Anfänge der Kieler Skandinavien-Sammlung

Bereits mit der Gründung der Christian-Albrechts-Universität (CAU) 1665 wurde auch die Universitätsbibliothek eingerichtet. Die Anfänge der Sammlung skandinavischer Literatur liegen im 18. Jahrhundert: 1773 fiel der gottorfische Anteil des Herzogtums Holstein an Dänemark und damit wurde die Kieler Universität die südlichste Universität des Dänischen Gesamtstaats. Die Bibliothek profitierte von Dublettenabgaben der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen und zahlreichen Geldgeschenken des Königs.  
 
Der dänische König stellte ab 1811 sogar einen jährlichen Betrag von 100 Reichstalern zur Erwerbung dänischer Literatur zur Verfügung. Hintergrund war die Berufung des ersten außerordentlichen Professors für dänische Philologie, Jens Baggesen (1764-1826), nach Kiel. Der Dichter lehrte zwar nur drei Jahre an der Kieler Universität, nutzte in dieser Zeit den Etat jedoch, um den Bestand an dänischen Büchern zu vermehren. In diesem Sinn markiert seine Tätigkeit den Anfang eines bewussten Auf- und Ausbaus des Skandinavien-Bestands. Teile von Baggesens Nachlass liegen bis heute in der Universitätsbibliothek.  
 
Auf Baggesen folgten weitere dänische Literaten, die an der Kieler Universität lehrten. Sie wirkten als außerordentliche Professoren oder Lektoren, 1846 wurde der Schriftsteller Carsten Hauch (1790-1872) sogar als ordentlicher Professor für Nordische Literatur nach Kiel berufen. In den folgenden Jahren geriet die Stelle allerdings in den Strudel des sich zuspitzenden Nationalitätenkonflikts zwischen Deutschen und Dänen. Als Folge der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848, des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 und des Deutschen Krieges von 1866 wurde Schleswig-Holstein schließlich eine Provinz Preußens. Nichtsdestotrotz förderte man weiterhin die wissenschaftliche Beschäftigung mit den skandinavischen Ländern: 1865 wurde ein Lehrstuhl für Nordische Sprachen und Literatur mit Theodor Möbius (1821-1890) besetzt. Der CAU kam damit im 19. Jahrhundert eine Pionierrolle zu. Möbius verdankt die Bibliothek zudem einen Grundstock von rund 1100 Bänden ihrer vor dem Zweiten Weltkrieg sehr bedeutenden Sammlung an isländischer Literatur. 
 
Die Zugehörigkeit zu Preußen wirkte sich auch auf die Universitätsbibliothek aus: Sie wurde in die Bibliotheksreformen der preußischen Verwaltung miteinbezogen. Die Reformen zielten vor allem darauf ab, das preußische Bibliothekssystem zu vereinheitlichen und zu vernetzen, um so Effizienzsteigerungen zu erreichen. Teil dieser Reformen war die Einrichtung von Sammelschwerpunkten an einzelnen Universitätsbibliotheken. 
 
Angesichts der steigenden nationalen und internationalen Buchproduktion war es für eine einzelne Bibliothek alleine nicht mehr möglich, wissenschaftliche Literatur umfassend zu sammeln. Daher trafen die preußischen Universitätsbibliotheken unter Führung des Kultusministeriums ab 1910 Erwerbungsabsprachen. Kiel gehörte zu den ersten Bibliotheken, denen eine klar umrissene Sammelaufgabe zugewiesen wurde. Aufgrund der geographischen Nähe und der historischen Beziehungen zu Dänemark wurde der Universitätsbibliothek die Nordische Philologie zugewiesen, und sie erhielt im Zuge dessen Sondermittel zur Anschaffung  von Neuerscheinungen aus den nordischen Ländern von der preußischen Regierung.