Das SSG Skandinavien von 1964 bis in die 1990er Jahre: Verstetigung und Ausbau

Nachdem das Sondersammelgebiet Skandinavien seit 1963 wieder alle Länder umfasste, die in den ursprünglichen Sammelauftrag zu Beginn des Jahrhunderts eingegangen waren, folgte in den nächsten Jahren eine Phase der Verstetigung und des Ausbaus der Sammel- und Informationstätigkeit. 
 
Das gesamte System der Sondersammelgebiete etablierte sich als fester Bestandteil in der deutschen Bibliothekslandschaft. Dabei rückte nicht nur die möglichst umfassende Sammlung der Literatur des jeweiligen Sammlungsschwerpunktes in den Mittelpunkt der Arbeit des Sondersammelgebiets, sondern auch die Pflicht, die mit Unterstützung durch die DFG erworbene Literatur deutschlandweit über die konventionelle Fernleihe zur Verfügung zu stellen. Hinzu traten im Laufe der Jahre immer klarer umrissene weitere Aufgabenfelder insbesondere im Bereich der Bestandserhaltung und der Langzeitarchivierung. 
 
An der Universitätsbibliothek Kiel begann am Ende der 1970er Jahre die Vorbereitung für einen Meilenstein in der Bibliotheksentwicklung, nämlich die Umstellung von einer Magazin- zu einer Freihandbibliothek. Um die Bücher zukünftig in einer systematischen Aufstellung direkt zugänglich und ausleihbar machen zu können, wurde das Kieler System der Sacherschließung entwickelt, das mit den beiden Bereichen „nor“ (Philologie) und „ska“ (Geschichte, Volkskunde, Landeskunde, Politik) einen tief gegliederten systematischen Rechercheeinstieg zu nordeuropäischen Themen bietet. Diese damals im Vorgriff auf die seit 2001 umgesetzte Freihandaufstellung entwickelte Systematik ist bis heute im Einsatz und wird laufend den Entwicklungen in der Nordeuropaforschung angepasst.   
    
Organisatorisch entstand in dieser Zeit für die Erwerbung und Katalogisierung der skandinavischen Literatur ein eigenes Dezernat. Aufgrund der besonderen Erwerbungsroutinen wurde in dieser Abteilung der integrierte Geschäftsgang eingeführt. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass Erwerbung und Katalogisierung einzelner Bücher in der Hand ein und derselben Person liegen. So konnten seit diesem Zeitpunkt eigene Erwerbungsabläufe für jedes Land entwickelt werden, die jeweils von einer Katalogmitarbeiterin mit tiefgehenden Kenntnissen der jeweiligen Länder und deren Sprachen betreut werden. Aus dem Dezernat des SSG Skandinavien entwickelte sich seit dieser Zeit eine kleine „Fachabteilung“ für Literaturerwerbung aus den skandinavischen Ländern, deren Fachkompetenz eine gute Basis für die Überführung des Sondersammelgebiets in einen Fachinformationsdienst bildet.