Frauentrachten auf Fanø

Fanø ist die nördlichste der dänischen Wattenmeerinseln und liegt etwa 50 Kilometer nördlich von Sylt. Die Insel hat eine sehr wechselvolle Geschichte. Sie beginnt als unbesiedelte Sandbank in der Nordsee und wurde 1231 im Grundbuch König Waldemars II. erstmals genannt. Im Jahre 1741 kauften sich die Anwohner der Insel auf einer Auktion in Ribe von der dänischen Krone frei und erhielten so auch die Jagd- und Strandrechte. 
 
Nach einem rasanten Aufschwung der Schifffahrt im 19. Jahrhundert besaßen die Einwohner der Insel im Jahre 1870 die zweitgrößte Handelsflotte Dänemarks; nur die Flotte von Kopenhagen war bedeutender. Aus dieser Zeit findet man bis heute in beiden Dörfern, Nordby und Sønderho, zahlreiche gepflegte Fischerhäuser und Kapitänsvillen. Diese Epoche endete mit der zunehmenden Versandung des Hafens von Sønderho und dem Aufstieg des Dampfschiffhafens in Esbjerg seit 1869.
 
In den Jahren als Seefahrerinsel entwickelte sich auf Fanø eine durch Frauen geprägte Alltagsgesellschaft. Wie in allen von der Seefahrt dominierten Gesellschaften war ein Großteil der männlichen Bevölkerung monatelang auf See und die daheim gebliebenen Frauen übernahmen alle zu Hause anfallenden Arbeiten.
 
Viele dieser Arbeiten fanden im Freien statt, so dass die Frauen gerade durch die Insellage bei den zahlreichen Tätigkeiten im Freien (Feldarbeit, Arbeiten im Watt, Küstenschutz) lange Stunden dem scharfen Wind und der Sonne ausgesetzt waren. Während der Arbeit trugen sie spezielle Arbeitstrachten, die wesentlich schlichter und funktionaler als die Sonntags-/Festtagstrachten ausgestattet waren. Die „Strude“, die es in dieser Form nur auf Fanø gab, ist aus heutiger Perspektive besonders auffällig, da sie das Gesicht fast vollständig verhüllte und somit – trotz ihres rein funktionalen Hintergrundes – an die Gesichtsmasken von Musliminnen erinnert.
 
Genau diesen Aspekt griff die dänische Photographin Trine Søndergaard in einer Portraitserie „Strude“ auf, die in den Jahren 2007/2008 während ihres Aufenthalts in Sønderho entstanden ist. Den Anstoß für diese Arbeit gab tatsächlich die Kopftuchdebatte, die seit dem Streit um die in der „Jyllands-Posten“ veröffentlichten Mohammed-Karikaturen immer wieder in Dänemark aufflammt.
 

Zu allen angesprochenen Themenbereichen, also zur Geschichte Fanøs als Seefahrerinsel, zur Besonderheit der Trachten, aber auch zum Karikaturenstreit in Dänemark sind an der Universitätsbibliothek Kiel zahlreiche Quellen und Abhandlungen gesammelt worden.

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