Von mittelalterlicher Handschrift zu digitalem Korpus

Die umfangreichen Offenbarungen der Heiligen Birgitta sind eine wichtige Gruppe von Texten in der Entstehungsgeschichte der schwedischen Schriftsprache. Birgitta Birgersdotter (1303–1373) war in ihrer Zeit eine ungewöhnliche Frau: Angehörige des Hochadels, hoch gebildet, mächtig und Gründerin des in Nordeuropa sehr einflussreichen Birgittinerordens. Ihre als Visionen formulierten Texte haben theologischen, aber oft auch politischen Inhalt – und sind ein Glücksfall für die historische Sprachwissenschaft: Sie sind nämlich gleich in mehreren zeitgenössischen Fassungen erhalten: einer altschwedischen Originalfassung, einer lateinischen Übersetzung und mehreren Rückübersetzungen ins Schwedische.
 
Alle Originaltexte sind spätmittelalterliche Handschriften. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es wissenschaftlich bearbeitete Ausgaben, die nicht nur den Text wiedergeben, sondern auch detaillierte Informationen über besondere Schreibweisen und die graphische Gestaltung bieten. Auch diese Texte kann man aber letztlich „nur“ lesen. Moderne sprachwissenschaftliche Forschung hat andere Ansprüche: Texte müssen digital verfügbar sein, zusätzliche Informationen zur sprachlichen Form enthalten sowie automatische Suchen und sprachliche Analysen ermöglichen. Ist dies bei einer Sammlung von Texten der Fall, spricht man von einem Korpus.

Handschriften und gedruckte Editionen von Birgittas Offenbarungen und anderen altschwedischen Texten wurden in einem Projekt an der Universität Hamburg zunächst digitalisiert und dann in ein Korpus (das Hamburg Corpus of Old Swedish with Syntactic Annotation, kurz HaCOSSA) überführt. An diesem Korpus ließen sich dann automatisiert komplexe Untersuchungen zur altschwedischen Grammatik durchführen, die vor allem einen starken Einfluss des Lateinischen auf syntaktische und textuelle Strukturen sichtbar machten.
 

Erfahren Sie mehr  zur sprachwissenschaftlichen Forschung mit digitalen Korpora.

 
Die zahlreichen Quelleneditionen sowie Darstellungen zu Birgitta lassen sich auch im Bestand der Universitätsbibliothek Kiel finden oder über die vifanord recherchieren.

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